Verhaltenstherapie & Co.

Wann werden verhaltenstherapeutische Maßnahmen eingesetzt?

Das Ziel einer Verhaltenstherapie ist, die hyperaktiven, impulsiven und unaufmerksamen Verhaltensmuster abzubauen und statt dessen neue Verhaltensweisen zu erlernen. Ob eine Verhaltenstherapie schon am Beginn einer ADHS-Behandlung stehen sollte, richtet sich danach, wie stark die Verhaltensstörungen ausgeprägt sind und ob begleitende psychische Störungen vorliegen, z. B. aggressives Trotzverhalten oder Depressionen. Die Kombination aus einer Verhaltenstherapie und einer medikamentösen Therapie zeigt häufig eine größere Wirkung als eine Verhaltenstherapie allein. Eine Verhaltenstherapie ist auch als alleinige Maßnahme möglich, insbesondere wenn die Eltern eine medikamentöse Therapie grundsätzlich ablehnen oder das Kind die Medikamente nicht verträgt bzw. nicht darauf anspricht.

Wie funktioniert eine Verhaltenstherapie?

Die Verhaltenstherapie kann in verschiedene Phasen eingeteilt werden:

  • Informationsphase: Aufklärung der Eltern über die Erkrankung
  • Bewertungsphase: Untersuchung der familiären Verhaltensmuster, die zu den Verhaltensauffälligkeiten beitragen könnten
  • Trainingsphase: Verhaltenstraining für Kinder und Jugendliche, Elterntraining, Schultraining
  • Auswertungsphase: Überprüfung der erreichten Verhaltensänderungen

In der Informationsphase werden die Eltern und - je nach Alter - auch die betroffenen Kinder und Jugendlichen selbst umfassend über die ADHS, ihre Folgen und den Umgang mit der Erkrankung aufgeklärt. Während der nachfolgenden Bewertungsphase untersucht der Therapeut die familiären Verhaltensmuster zwischen Eltern und Geschwistern und versucht zu klären, inwieweit diese zu den Verhaltensstörungen des ADHS-Kindes beitragen könnten. In der sogenannten Trainingsphase werden dem Kind neue Denk- und Verhaltensweisen vermittelt. Dabei soll es lernen, sich selbst besser wahrzunehmen und sich seines eigenen Verhaltens bewusster zu werden, um sich dann besser steuern zu können. Diese individuelle Behandlung braucht eine intensive, motivierte und aktive Mitarbeit des Kindes. Je nach Entwicklungsstand sind verhaltenstherapeutische Schritte daher erst ab einem Alter von etwa 7 Jahren sinnvoll. Oft werden diese Maßnahmen durch eine Medikation begleitet. In der abschließenden Auswertungsphase werden die erreichten Verhaltensänderungen herausgearbeitet und eventuell neue Zielsetzungen vereinbart.

Was bedeutet Elterntraining?

Die Schulung der Eltern gilt als wichtiger Bestandteil einer ADHS-Behandlung. Der tägliche Umgang mit ADHS ist auch für die Familie des betroffenen Kindes oder Jugendlichen eine Herausforderung, die insbesondere von den Eltern besondere Verhaltensstrategien abverlangt. Auch können die mit ADHS verbundenen Probleme zu negativen Reaktionen der Eltern führen - beispielsweise aggressives Verhalten oder Schuldgefühle. Das kann die Schwierigkeiten und die Verhaltensauffälligkeiten der Kinder noch verstärken. Deshalb werden den Eltern im Rahmen eines Trainingsprogramms Strategien vermittelt, die im Umgang mit ADHS-Kindern helfen können. Einfache Verhaltensregeln können auch den ADHS-Kindern das Leben mit der Störung erleichtern. Dazu gehören z.B.:

  • Feste Strukturen und deren klare Vermittlung
  • Beständige Verhaltensweisen in allen Lebenssituationen
  • Belohnungssystem für positive Verhaltensweisen
  • Vermeidung von Ablenkung
  • Rückmeldung an die Kinder und Jugendlichen

Im elternzentrierten Training wird idealerweise mit beiden Hauptbezugspersonen (Mutter und Vater) zusammen gearbeitet. Dazu werden problembelastete Verhaltensmuster für konkrete Situationen herausgefunden. So können für schwierige Situationen wie Hausaufgabenbetreuung oder Geschwisterstreitigkeiten gezielte Verhaltensstrategien trainiert werden, die den Umgang mit ADHS im Familienalltag erleichtern.

Warum sollten auch Lehrer und Erzieher mit einbezogen werden?

Eine so komplexe Erkrankung wie ADHS fordert es, dass alle, die zum sozialen Umfeld des Kindes gehören, zusammen arbeiten. Da die meisten ADHS-Kinder durch ihre Krankheit massive Schwierigkeiten in der Schule haben, sollten auch Lehrer und Erzieher mit in den Behandlungsprozess eines ADHS-Kindes einbezogen werden. Denn in der Schule geht es nicht allein darum, Lernziele zu erreichen, sondern auch um die soziale Entwicklung der ADHS-Kinder. Schultrainings können den betroffenen Kindern, aber auch ihren Lehrern und Mitschülern helfen, besser mit der Erkrankung ADHS im Schulalltag zurecht zu kommen. Dazu werden Lehrer und Erzieher vorab genau über die Erkrankung, ihre Symptome und die Behandlungsmöglichkeiten aufgeklärt. Weiteres zentrales Element eines solchen schulzentrierten Trainings für Lehrer und Erzieher ist die Vorgabe klarer Verhaltensregeln gegenüber Kindern und Jugendlichen mit ADHS - so u.a. weniger Ablenkung, feste Strukturen vorgeben, klare Erwartungen formulieren sowie zeitnah und regelmäßig Rückmeldung geben. Um einen bestmöglichen Therapieerfolg zu erzielen, sollten regelmäßige Rücksprachen zwischen Lehrern, Eltern und dem behandelnden Arzt stattfinden.