Medikamentöse Therapie

Welche Medikamente wirken bei ADHS?

Neben Psychotherapie und pädagogischen Maßnahmen ist die Behandlung mit Medikamenten wichtiger Bestandteil einer multimodalen Therapie der ADHS. Seit den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts werden so genannte Stimulanzien zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit ADHS eingesetzt. In 70 - 90 % der ADHS-Fälle wird für die Dauer der Einnahme eine Verringerung der hyperaktiven, impulsiven und unaufmerksamen Verhaltensauffälligkeiten beobachtet.

Stimulanzien gehören heute zu den am besten erforschten Substanzen bei Kindern überhaupt und werden als Mittel der ersten Wahl zur medikamentöse ADHS-Behandlung eingesetzt. Die Sicherheit und Wirksamkeit dieser Medikamente wurde in Hunderten von Studien über die letzten Jahrzehnte untersucht.

Als weitere Behandlungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche stehen u. a. Atomoxetin und Guanfacin retard zur Verfügung.

Wann ist der Einsatz von Medikamenten sinnvoll?

Der behandelnde Kinderarzt oder Kinder- und Jugendpsychiater entscheidet nach eingehender Untersuchung und nach Rücksprache mit den Eltern, ob eine Behandlung mit Medikamenten eingeleitet wird. Für diese Entscheidung wesentlich ist die Ausprägung der Symptome. Je nachdem, wie stark die Verhaltensstörungen den Alltag des ADHS-Kindes und seiner Familie beeinflussen und wie hoch der damit verbundene Leidensdruck ist, können Medikamente schon zu Beginn einer ADHS-Behandlung eingesetzt werden. Oder wenn Kinder auf psychotherapeutische oder pädagogische Maßnahmen nach einer bestimmten Zeit nicht ansprechen. Bei stark ausgeprägten Verhaltensauffälligkeiten werden andere Behandlungsmaßnahmen - so zum Beispiel eine Verhaltenstherapie - eventuell überhaupt erst durch Medikation möglich. Denn das Medikament verringert die Symptome soweit, dass das Kind einer therapeutischen Sitzung aufmerksam und konzentriert folgen kann. Bei jungen Kindern ist der Arzt eher vorsichtig mit dem Einsatz von Medikamenten und versucht zunächst, andere Behandlungsmöglichkeiten einzusetzen, beispielsweise pädagogische Maßnahmen. Erst wenn dies nicht den gewünschten Erfolg bringt, kann eine Behandlung mit Medikamenten in Betracht gezogen werden.

Wie wirken Stimulanzien?

Warum Stimulanzien eine positive Wirkung auf die ADHS-Symptome zeigen, ist noch nicht im Detail geklärt. Bekannt ist allerdings, dass sie die Reizübertragung im zentralen Nervensystem beeinflussen. Um die einströmenden Umweltreize zu verarbeiten, wandern im Gehirn Botenstoffe von Nervenzelle zu Nervenzelle und leiten die Informationen weiter. Bei ADHS ist dieser Austausch von Botenstoffen gestört. Die Stimulanzien scheinen genau auf das Zusammenspiel dieser Botenstoffe im Gehirn einzuwirken. Es wird angenommen, dass sie die Konzentration des Botenstoffs Dopamin im Bereich zwischen den Nervenzellen erhöht und dadurch einströmende Reize anscheinend besser gefiltert und verarbeitet werden können.

Beeinflussen Stimulanzien den Charakter des Kindes?

In der Regel stellen Stimulanzien bei richtiger Anwendung die Kinder nicht ruhig, bewirken keine Charakterveränderungen und lassen auch positive Eigenschaften von ADHS-Kindern wie zum Beispiel eine besondere kreative Gabe nicht verschwinden. Durch die Medikamente gelingt es lediglich, die ADHS-typischen Verhaltensstörungen soweit zu reduzieren, dass die betroffenen Kinder sich altersentsprechend verhalten und ihre Fähigkeiten besser entfalten können.

 

 

Stimulanzien und Leistungssport

Alle Stimulanzien, die für die Behandlung der ADHS zugelassen sind, unterliegen dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) und sind damit besonders vor Missbrauch geschützt. Durch den Eintrag in das BtMG steht der Wirkstoff auch auf der Dopingliste der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA). Für ADHS-Betroffene, die mit Stimulanzien behandelt werden, bedeutet dies jedoch keinen grundsätzlichen Verzicht auf den Leistungssport: Sie können bei der NADA eine "Medizinische Ausnahmegenehmigung" nach dem Standard-Verfahren beantragen, um an Wettkämpfen teilnehmen zu dürfen. Bei internationalen Wettkämpfen allerdings müssen die Statuten der jeweiligen Internationalen Fachverbände beachtet werden, da einige Verbände die Einnahme von Stimulanzien grundsätzlich nicht erlauben. In diesem Fall bliebe dem ADHS-Betroffenen nur die Möglichkeit, das Medikament rechtzeitig vor einem Wettkampf abzusetzen. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf den Seiten der NADA.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Der Einsatz von Medikamenten wird vom behandelnden Arzt überwacht, der auch das Vorgehen mit den Eltern bespricht. Wie bei anderen Medikamenten auch, können bei der Behandlung mit Stimulanzien Nebenwirkungen auftreten. Beobachtet werden z. B. Kopf- oder Bauchschmerzen, Appetitmangel oder Schlafstörungen. Im Allgemeinen werden diese Medikamente aber gut vertragen.