Welche Untersuchungen sind wichtig?

Im Rahmen der Untersuchungen müssen möglichst viele Informationen aus dem gesamten Lebensumfeld des Kindes gesammelt werden. Wichtige Bausteine einer Untersuchung sind:

  • Umfassende Befragung der Eltern vor allem zu

    • der allgemeinen Lebenssituation der Familie und des Kindes
    • der Vorgeschichte der Erkrankung und beobachteten Verhaltensauffälligkeiten
    • eventuellen weiteren Fällen von ADHS in der Familie und anderen Vorerkrankungen des Kindes

  • Ärztliche Untersuchungen umfassen

    • körperliche Entwicklung: Überprüfung von Fein- und Grobmotorik und Bewegungskoordination
    • neurologische Untersuchungen (z. B. Überprüfung der Sinnesorgane)
    • eventuell Messung der Hirnströme (EEG) und der Herztätigkeit (EKG) sowie Blutuntersuchungen (insbesondere bei geplanter Medikamentengabe)

  • Testpsychologische Untersuchungen beinhalten

    • Begabungsuntersuchungen, Intelligenz- und Aufmerksamkeitstests
    • Feststellen oder Ausschluss weiterer psychiatrischer Entwicklungsstörungen
    • Überprüfung schulischer Fähigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen durch genormte Testverfahren

  • Verhaltensbeobachtungen und -bewertung wie:

    • Verhaltensbeschreibungen aus Alltagssituationen von unterschiedlichen Personen (Eltern, Lehrer, Erzieher, Arzt)
    • eventuell Videoaufzeichnungen von Alltagssituationen
    • Feststellen von Stärken/Kompetenzen und Schwächen/Defiziten

Für die Beurteilung von Verhaltensauffälligkeiten und ihren Verbesserungen oder Veränderungen nach Behandlungsbeginn werden spezielle ADHS-Fragebögen für Eltern, Lehrer, Erzieher und die Eigenbeurteilung von Jugendlichen mit ADHS eingesetzt.

Im Rahmen der Diagnosestellung ist es auch wichtig, andere Störungen und Erkrankungen wie Störungen im Sozialverhalten, Lernstörungen, Depressionen o.ä. zu erkennen, um sie gegebenenfalls gesondert behandeln zu können. Unter Umständen können Hochbegabung, Schilddrüsenstörungen und andere Erkrankungen zu ähnlichen Verhaltensauffälligkeiten wie bei einer ADHS führen. Welche ADHS-Erkrankungsformen wie unterschieden werden, ist festgelegt in internationalen Diagnoserichtlinien (z.B. die ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation WHO oder die DSM-IV der American Psychiatric Association). Die Diagnoserichtlinien unterscheiden sich zwar in den Störungsbezeichnungen, in den Untersuchungsschritten stimmen sie weitestgehend überein.1

Eine sorgfältige und exakte Diagnose ist die erste Voraussetzung dafür, dass betroffene Kinder und ihre Familien die richtige Unterstützung und Behandlung erhalten. Dafür ist es notwendig und sinnvoll, Unterstützung durch einen Arzt, Psychologen und andere nichtärztliche Therapeuten zu suchen.


1) Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft ADHS. www.agadhs.de