Wie erkennt man ADHS?

Wie äußert sich ADHS im Alltag?

Die drei Hauptsymptome einer ADHS - Hyperaktivität, Unaufmerksamkeit und Impulsivität - können unterschiedlich ausgeprägt sein und müssen nicht alle gleichzeitig auftreten. Charakteristisch sind folgende Verhaltensauffälligkeiten: (siehe auch 1,2)

  • Hyperaktive Kinder und Jugendliche

    • zappeln ständig mit Händen und Füßen oder rutschen auf dem Stuhl herum
    • verhalten sich allgemein sehr unruhig
    • haben Schwierigkeiten, still zu sein
    • sind ständig in Bewegung, laufen und klettern in unpassenden Situationen herum
    • reden unaufhörlich dazwischen (sogenannter "Sprechdurchfall")

  • Unaufmerksame Kinder und Jugendliche

    • sind unfähig, sich zu konzentrieren oder länger aufmerksam zu sein
    • lassen sich leicht ablenken und haben keine Ausdauer beim Spielen oder beim Erledigen von Aufgaben
    • sind übermäßig vergesslich; haben Schwierigkeiten, Aufgaben und Aktivitäten zu organisieren
    • führen Aufträge nicht vollständig zu Ende, z. B. Schularbeiten

  • Impulsive Kinder und Jugendliche

    • platzen häufig mit Antworten heraus, bevor eine Frage beendet worden ist
    • können nur schwer warten, bis sie an die Reihe kommen
    • platzen ständig in Gespräche oder Spiele anderer hinein
    • reden unüberlegt, viel und ungebremst
    • sind in allem, was erledigt werden muss sehr sprunghaft und nicht zuverlässig

Damit wirklich von einer ADHS ausgegangen werden kann, müssen die Verhaltensauffälligkeiten über einen längeren Zeitraum, wenigstens über sechs Monate, auftreten und schon im Vorschulalter beobachtet worden sein.

Wie machen sich Anzeichen von ADHS in verschiedenen Entwicklungsabschnitten bemerkbar?

Eltern von ADHS-Kindern berichten häufig, dass sie Verhaltensauffälligkeiten in der Entwicklung ihrer Kinder schon in sehr frühem Alter beobachtet haben. Diese Tatsache spricht umso mehr dafür, dass ADHS nicht die Folge falscher Erziehung ist, sondern eine Erkrankung, für die eine erblich bedingte Neigung vorhanden sein muss.

Im Folgenden sind Verhaltensauffälligkeiten von ADHS-Kindern in den verschiedenen Entwicklungsabschnitten dargestellt. Zur Erinnerung: Diese Auffälligkeiten können individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein und müssen nicht in jedem Fall zwingend auftreten.

  • Säuglingsalter
    Es wird vermutet, dass ADHS-Kinder schon im Säuglingsalter als "Schreibabys" auffallen können - mit ungewöhnlich lang andauernden Schreiphasen. Vielfach wird von motorischer Unruhe, Ess- und Schlafstörungen, Ablehnung eines Körperkontakts und Unausgeglichenheit der Säuglinge berichtet.

  • Kleinkind-/Kindergartenalter
    Die Kinder fallen durch ihren rastlosen Aktivitätsdrang auf. Geringe Ausdauer beim Spielen, trotziges Verhalten, motorische Ungeschicklichkeit und in der Folge häufige Verletzungen und Unfälle. Bereits im Kleinkindalter können diese Verhaltensauffälligkeiten dazu führen, dass ein Kind mit ADHS schnell auf Ablehnung bei gleichaltrigen Spielkameraden stößt und keine stabilen Freundschaften entwickeln kann.

  • Grundschulalter
    Besonders deutlich zeigen sich die ADHS-typischen Verhaltensstörungen oft erst mit Schulbeginn. Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung können nicht lange still sitzen. Sie lassen sich schnell ablenken, sind ständig in Bewegung und fallen durch häufiges Stören des Unterrichts auf. Charakteristisch ist auch eine niedrige Frustrationsschwelle, schnelle Reizbarkeit und die Unfähigkeit, sich länger auf Aufgaben zu konzentrieren. So kommt es trotz normaler Intelligenz häufig zu Lern- und Leistungsproblemen. Viele ADHS-Kinder leiden parallel noch unter weiteren Lernstörungen wie Lese-, Rechtschreib- oder Rechenschwäche, die die Schulprobleme verstärken. Damit wird nicht nur eine "negative Schulkarriere" eingeleitet, sondern die Kinder erfahren frustrierende, oft traumatische Erlebnisse, die sich auf das ganze weitere Leben auswirken können.

  • Jugendalter
    Bei Jugendlichen mit ADHS nehmen die hyperaktiven Verhaltensstörungen eher ab. Im Vordergrund stehen Aufmerksamkeitsstörungen und mangelnde Fähigkeit zur Selbstorganisation. Diese Jugendlichen versuchen häufig, ihre innere Unruhe zu betäuben, indem sie sich starken äußeren Reizen (z.B. laute Musik, exzessive Computerspiele) aussetzen oder bewusst Gefahren und Konfrontationen suchen. Charakteristisch sind außerdem Leistungsverweigerung und aggressives Verhalten über das im Jugendalter normale Maß hinaus. Auch in der Entwicklung ihrer sozialen Kompetenz zeigen Jugendliche mit ADHS starke Defizite gegenüber ihren gesunden Altersgenossen. Werden diese Störungen und ihre Auswirkungen nicht rechtzeitig erkannt, können diese Jugendlichen kein gesundes Selbstwertgefühl ausprägen. Sie neigen zu Depressionen und Ängsten - Folgen, die durch eine rechtzeitige Diagnose und angemessene Behandlung vermieden werden können.

1) Steinhausen H-C: Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen. 4. Auflage. Urban & Fischer, München, 2000, 86ff
2) Freisleder FJ: Das A und O: die richtige Diagnose. in: Unaufmerksam & Hyperaktiv. H. von Voss (Hrsg) Kirchheim-Verlag Mainz, 40ff, 2002;