Wer ist betroffen?
Wie häufig tritt ADHS auf?
 Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung leiden etwa 2-6% der Kinder zwischen 6 und 18 Jahren an einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung.(1)
In Deutschland leben also etwa 500.000 bis 600.000 Kinder im Schulalter mit einer ADHS. Experten gehen zusätzlich noch von einer hohen Zahl unerkannter ADHS-Fälle aus, da insbesondere die reine Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität über längere Zeit unauffällig bleibt. ADHS tritt nicht nur in den sogenannten Zivilisationsländern auf, sondern wird weltweit in allen Kulturen beobachtet.
Wer ist häufiger betroffen?

Im Vergleich zu Mädchen leiden Jungen drei bis vier Mal häufiger an ADHS. Unterschiede der Geschlechter zeigen sich auch in der Ausprägung der Erkrankung. Bei Jungen findet man häufiger die Variante des hyperaktiv-impulsiven Typs ("Zappelphilipp"). Mädchen sind eher von der unaufmerksamen und verträumten Variante ("Traumsuse") ohne hyperaktive Verhaltensauffälligkeiten betroffen.(2,3)
Entgegen bisheriger Annahmen verschwinden die Verhaltensstörungen einer ADHS in vielen Fällen nicht mit der Pubertät, sondern deutliche Anzeichen der Erkrankung können sich bis ins Erwachsenenalter fortsetzen.(4) Unzureichende Konzentrationsfähigkeit, mangelnde Selbstorganisation und Probleme mit der Selbstbeherrschung in emotionalen Stresssituationen, können sichtbare Symptome von ADHS bei Erwachsenen sein. ADHS kann für viele eine dauerhafte, oft lebenslange Erkrankung bleiben.
Ab welchem Alter tritt ADHS auf?

Bei sehr kleinen Kindern wird mit der Diagnose Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung noch sehr vorsichtig umgegangen. Manche ADHS-Kinder sind jedoch schon im Säuglingsalter auffällig. Viele Eltern berichten rückblickend von sogenannten "Schreibabys" mit Ess- und Schlafproblemen sowie einem überdurchschnittlichen Bewegungsdrang. Sind die Kinder dann im Kindergartenalter, fallen oft schon typische ADHS-Verhaltensstörungen auf. Eine geringe Ausdauer beim Spielen und ungeduldiges, oft aggressives Verhalten gegenüber Spielkameraden und Erwachsenen machen die Kinder schnell zu Außenseitern. Auch sind viele ADHS-Kinder in diesem Alter durch ihr sprunghaftes und ungeschicktes Handeln öfter in Unfälle verwickelt als ihre gesunden Altersgenossen. Die Diagnose ADHS wird häufig erst nach dem Schuleintritt gestellt, da die Verhaltensstörungen dann oft erst deutlich zu Tage treten. Denn die notwendige Aufmerksamkeit über einen längeren Zeitraum, die Ausdauer beim Lösen von Aufgaben und das lange Stillsitzen in der Schule - dies ist für viele Kinder mit ADHS kaum zu bewältigen.
Um zweifelsfrei eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung feststellen zu können, müssen die Verhaltensauffälligkeiten bereits vor dem sechsten Lebensjahr aufgetreten sein, mindestens sechs Monate andauern und sich auch von allein nicht bessern.
Welche Begleiterkrankungen sind bei ADHS häufig zu finden?

Vielfach treten bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS auch noch weitere psychiatrische Störungen auf. Zu den häufigsten dieser Parallelerkrankungen gehören:

- Aggressionen
- Störungen im sozialen Verhalten
- Teilleistungs- und Lernstörungen, wie Lese-, Rechtschreib- oder Rechenschwächen
- Angststörungen
- Depressionen
- Tic-Störungen (unwillkürliche Muskelzuckungen)
Es ist wichtig, im Rahmen der ärztlichen Untersuchungen diese Begleiterkrankungen zu erkennen und gegebenenfalls gesondert zu behandeln.
1) Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung: Eckpunktepapier zu den Ergebnissen der interdisziplinären Konsensuskonferenz zur Verbesserung der Versorgung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit ADHS vom 27.12.02

2) Newcorn J et al: Symptom profiles in children with ADHD: effects of comorbidity and gender. Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry 40: 137-146, 2001

3) Blanz, B: Hyperkinetische Störungen. Kinderärztliche Praxis 72, Sonderheft 5-8, 2001

4) Fischer M et al: The adolescence outcome of hyperactive children: predictors of psychiatric, academic, social and emotional adjustment. Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry 155: 494-498, 1993

5) Steinhausen H-C: Hyperkinetische Störungen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Kohlhammer 2000
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